Jusos Lausitz

11.09.2020 - NEUES SCHULJAHR - ALTES BILDUNGSSYSTEM / Kolumne zum Freitag

Jugendpolitik

Das neue Schuljahr hat seit dieser Woche auch in Sachsen begonnen. Alte Probleme, alte Fehler, alte Ungleichheiten, altes Corona-Virus, der alte „Null Bock“ – alles bleibt weitestgehend gleich. Anstatt den digitalen Wind zu nutzen, der durch die Corona-Krise in die Segel unseres Bildungssystems gepustet wurde, wird versucht, so schnell als möglich den neuen alten Status quo an den Schulen wiederherzustellen. Eine vertane Chance, in ein modernes und digitalisiertes Bildungswesen zu starten.

Anstatt so schnell wie möglich wieder auf konventionelle Art und Weise zu unterrichten, hätte ich mir neue Konzepte gewünscht, wie Bildung in Sachsen und Deutschland auch zukünftig orts- und zeitunabhängiger funktionieren könnte, um zwei der größten Unannehmlichkeiten für Lernende anzugehen:

Problem 1 – lange Schulwege, die (Frei-)zeit kosten und gerade in ländlicheren Regionen gut und gerne eine bis mehrere Stunden betragen und Problem 2 – die statischen Zeitvorgaben. Die Problematik der „Eulen und Lerchen“ wird im Kontext von Bildung immer wieder stark diskutiert. Kurze Erklärung: Es gibt Menschen, denen es leichter fällt, am Abend oder in der Nacht zu arbeiten (=“Eulen“) und solche, denen Selbiges am frühen Morgen oder am Tag leichter fällt (=“Lerche“).

Flexibel zu bearbeitende „Lernmodule“ beispielsweise (wie sie u.a. jetzt in Corona-Zeiten teilweise zur schulfernen Wissensvermittlung genutzt werden) könnten eine Möglichkeit sein, den SchülerInnen eine flexiblere Tagesplanung zu ermöglichen; lästige und unnötig lange Schulwege würden hier sogar ganz entfallen. Mehr Selbstorganisation; Selbstständigkeit und Flexibilität der SchülerInnen wären im Idealfall die Folge.

Aber auch über Online-Unterricht sollte weiter diskutiert werden. Auch wenn hier die zeitliche Planung nicht ganz so flexibel ist, wie bei Modulen, deren Bearbeitungszeitpunkt man selbst wählt, könnte teilweiser Onlineunterricht beispielsweise, um in der Schule Erlerntes zu üben, hilfreich sein. Die Matheasse könnten dann die Zeit, die sie in der Schule vormals nutzten, um Dinge zu trainieren, die sie längst konnten, sinnvoller nutzen – und all jene, denen die Aufgaben noch Schwierigkeiten bereiteten, hätten Online den eigenen Lehrer als Ansprechpartner, die eigene Lehrerin als Ansprechpartnerin.

An dieser Stelle gilt es zu erwähnen, dass es leichtsinnig ist, zu glauben, „die Schüler“ würden solche Methoden ausnutzen; Module würden nicht bearbeitet und auch Leistungsschwache würden Online-Übungssessions schwänzen – nun, ein Wandel kommt nicht von heut auf morgen. Neue Methoden müssen genauso vermittelt und von den SchülerInnen erlernt werden, wie es einst erlernt werden musste, seine Stunden tagsüber in der Schule abzusitzen.

Die Corona-Zeit mit all ihren Nachteilen birgt gerade in der Bildung viele Möglichkeiten, die Art und Weise wie unterrichtet wird, neu zu denken. Zu schade, dass diese bisher nicht mit dem Ziel dauerhafter Veränderung zu Gunsten der Schülerinnen und Schüler genutzt wurden.